Austausch mit Landtags-Kandidat*innen

„Das ist ein unglaubliches Potential, das der Staat so niemals finanzieren könnte. Wir können sehr dankbar für das Engagement der Menschen in Baden-Württemberg sein.“

Das sagte Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Bündnis 90/Die Grünen) am 26. Februar bei unserer Aktion zur Landtagswahl. Gemeinsam mit Dr. Sascha Meßmer (SPD) nahm Muhterem Aras an unserem pandemiekonformen Spaziergang teil. Beide kandidieren am 14. März im Wahlkreis Stuttgart I für den Landtag.

Begleitet von zwei Mitarbeiterinnen des Freiwilligenzentrums machten sich die zwei Kandidat*innen auf zu einem Waldspaziergang. In zwei Stunden wurde der „Rundweg à la Caleidoskop“ absolviert: An verschiedenen Stellen des Weges warteten Mitarbeiter*innen des Freiwilligenzentrums um unsere Arbeit vorzustellen und darzulegen, wo die Landespolitik uns konkret unterstützen könnte. So vielfältig wie unsere Arbeitsfelder waren dabei auch die Gesprächsthemen.

An der ersten Station ging es um unsere digitale Lernplattform check-e.jetzt. Die Coronapandemie verstärke das bereits bekannte Problem, dass die soziale Herkunft großen Einfluss auf die späteren Entwicklungsmöglichkeiten habe, so Muhterem Aras. Man müsse sich klarmachen, dass Digitalisierung an Schulen mehr bedeutet, als nur die Bereitstellung von Endgeräten. Sascha Meßmer ergänzte, dass die Frage, wie die digitale Schule der Zukunft aussehe, nun noch dringender beantwortet werden müsse.

Der zweite Halt beschäftigte sich dann mit sozialen Engagements an Schulen und Universitäten – ein Aspekt, der sich leider immer seltener im Bildungsplan wiederfindet. Unsere Forderung, dass Engagement in Form von Credit Points im Studium anrechenbar werden sollte, fand Anklang und wurde von beiden Kandidat*innen befürwortet.

Anschließend ging es mit der Anerkennungskultur für Freiwilligendienste weiter. Hier wurden von uns zwei Vorschläge ins Spiel gebracht: Zum einen sollte FSJler*innen eine kostenlose ÖPNV-Nutzung ermöglicht werden, zum anderen sollten Freiwilligendienste nicht nur als Wartezeit für Studium und Ausbildung anrechenbar sein, sondern als ergänzende Qualifikation beim Zugang zum Studium berücksichtigt werden. Sascha Meßmer begrüßte das als sinnvolle Maßnahme und auch Muhterem Aras betonte, dass es richtig sei, Wertschätzung nicht nur auszusprechen, sondern auch in konkreten Maßnahmen zu zeigen. Wir sind gespannt, ob wir das Thema nach der Wahl auf der Tagesordnung des Landtags wiederfinden werden.

Ebenso wichtig ist auch die Anerkennung für ehrenamtlich Engagierte. Dabei wurde aber auch betont, dass Ehrenamt nie ein Ersatz für hauptamtliche Aufgaben sein kann. Sowohl Ehrenamt als auch Hauptamt sollen und müssen gestärkt werden, aber nicht auf Kosten des jeweils anderen.

Die kontroverseste Debatte ergab sich aus unserer Forderung, die Ehrenamtspauschale in der jetzigen Form abzuschaffen und neu zu regeln. Wir beobachten immer häufiger, dass Menschen sich durch einen oder mehrere Minijobs sowie ein „bezahltes“ Ehrenamt finanziell über Wasser halten – ein Weg, der langfristig in die Altersarmut führt. Sinnvoller wäre aus unserer Sicht beispielsweise eine Anrechnung, die sich in der Höhe der Rentenansprüche widerspiegelt. Beide Kandidat*innen waren sehr überrascht über den Vorschlag, da im Landtag eigentlich eine Erhöhung der Ehrenamtspauschale diskutiert wird. Ob in der Zukunft tatsächlich alternative Wege der Anerkennung etabliert werden, bleibt abzuwarten.

Am vorletzten Halt stand unser Projekt TürÖffner im Fokus. Muhterem Aras betonte, dass die Frage nach bezahlbarem Wohnraum ein enormes Potenzial habe, die Gesellschaft zu spalten. Sowohl sie als auch Sascha Meßmer stellten klar, dass die Landeshauptstadt hier dringend Verantwortung übernehmen und das Projekt mit einer Bürgschaft für Mietausfälle unterstützen sollte.

An der letzten Station schloss sich der thematische Kreis, da wir uns nochmal den jungen Mitbürger*innen widmeten, konkret dem Thema Demokratiebildung. Zum einen forderten wir, dass diese in Schulen nicht nur empfohlen, sondern verbindlich im Bildungsplan verankert wird. Zum zweiten teilten wir unsere Beobachtung mit, dass Projekte, die praktische Demokratiebildung betreiben, häufig zu wenig Unterstützung erhalten, insbesondere personeller Art. Auch hier entstand ein spannender Austausch, in dem Frau Aras und Herr Meßmer von ihren ersten Demokratieerfahrungen berichteten und wir unter anderem erfahren konnten, dass beide bereits viel Zeit auf Demonstrationen verbracht haben.

Insgesamt war es ein anregender Austausch und wir hoffen, dass unsere Botschaften beide Kandidat*innen weiterhin begleiten. Vielleicht setzt sich die Landespolitik ja schon in Kürze mit einer unserer Ideen auseinander – wir sind gespannt!